Die Stadt Amritsar wurde 1577 vom Sikh-Guru Ram Das gegründet und ist mit dem goldenen Tempel der wichtigste Pilgerort der Religion Sikhismus. Der Staat Punjab wurde seit der Unabhängigkeit Indiens zum Heimatort für die Sikh. Amritsar ist eine weitere, laute indische Stadt mit viel Verkehr, doch je näher du dem goldenen Tempel kommst, umso mehr spürst und siehst du den Einfluss der Sikh.

Wichtige Informationen zu Reisekosten, Kleidung,  SIM Karte und Bus fahren in Indien findest du im Reisebericht Willkommen in Indien.

Sikhismus

Hast du überhaupt schon mal von der Religion Sikhismus gehört? Denn wir wussten vor unserer Indienreise nicht viel darüber. Der Sikhismus ist eine sogenannte monotheistische Religion, das heisst sie kennt nur einen einzigen Gott. Die grosse Mehrheit der 27 Millionen Gläubigen leben in Indien. Sie praktizieren keine religiösen Rituale und lehnen das indische Kastensystem ab. Frauen und Männer haben im Sikhismus die gleichen Rechte und eine gleichberechtigte Rolle in der Gesellschaft und der Familie. Aber nur die männlichen Sikhs tragen einen farbigen Turban. Nebst den Glaubensbekenntnissen sind der ehrliche Verdienst des Lebensunterhaltes, Beseitigung sozialer Ungerechtigkeiten, der Dienst an Mitmenschen wichtige Aufgaben im Leben eines Sikh.

Schon nur wegen den Menschen, den Sikhs lohnt sich ein Besuch in Amritsar oder Punjab. Die Menschen sind extrem freundlich und zuvorkommend. Ausserdem sind sie sehr offen, kommen auf uns zu und es ergeben sich spannende Gespräche.

Goldener Tempel in Amritsar

Für den Besuch des goldenen Tempels solltest du dir genügend Zeit einplanen. Wir hätten den ganzen Tag dort verweilen können, den Menschen zuschauen und die spezielle Atmosphäre geniessen. Der goldene Tempel ist mit 750 kg Gold überzogen und steht mitten in einem Wasserbecken, dessen Wasser heilig sein soll. Die Sikh baden deshalb ihre Füsse oder an einer Stelle auch den ganzen Körper darin. Um den Tempel herum liegt ein riesiger Komplex, indem es zum Beispiel eine Kantine gibt, wo alle eine gratis Mahlzeit erhalten. Nicht nur das Essen schmeckt sehr gut, sondern auch das Erlebnis, dort mit all den Sikhs zu essen ist einzigartig. Nebst dem Essen ist auch der Eintritt gratis, eine Spende ist deshalb angebracht.

Vor dem eigentlichen goldenen Tempel warten viele Gläubige. Ein Sikh erzählt uns, die Menschenschlange sei zu fast jeder Tages- und Nachtzeit so lang. Es sieht aber schlimmer aus als es ist, nach etwa 30 Minuten sind wir im kleinen Tempel, wo Priester und Musiker Gesänge aus dem heiligen Buch der Sikhs vortragen.

Es hat ausserdem ein interessantes Museum, wo wir viel über die Geschichte der Sikhs in Indien erfahren. 1984 wurde der Komplex von der indischen Armee gestürmt, die sogenannte Operation Blue Star. Die indische Regierung begründete dies damit, dass sich Widerstandskämpfer im Komplex aufhielten, die bewaffnet seien und einen eigenen Staat fordern würden. Die Sikhs jedoch sagen, sie hätten nur die Gerechtigkeit auf sozio-ökonomischer und politischer Ebene für die Sikhs gefordert. Als Vergeltung auf diesen Angriff wurde die Regierungschefin Indira Gandhi daraufhin ermordet.

Verhaltensregeln

Vor dem Betreten des goldenen Tempels müssen wir unsere Schuhe ausziehen und durch ein Wasserbecken laufen, um die Füsse zu waschen. Ausserdem müssen wir ein Kopftuch umbinden, diese werden gratis verteilt. Tabak und Alkohol sind im goldenen Tempel verboten.

Rund um den goldenen Tempel hat es Souvenirshops und Geschäfte in den Strassen. Auch wenn es viele Menschen hat, herrscht eine angenehme Atmosphäre und es gibt viel zu beobachten.

Schliessungs-Zeremonie an der Wagah Grenze zu Pakistan

Am Nachmittag suchen wir uns beim südöstlichen Ausgang des Tempels ein Sammeltaxi, um an die Wagah Border zu fahren. Wir finden ein Sammel-Tuk Tuk für 100 Rupie pro Person (ca. CHF 1.2/ EUR 1), hin und zurück. Private Taxis kosten bis zu 1200 Rupie (ca. CHF 16/ EUR 14). Um etwa 15.00 Uhr fahren wir los an die Grenze Attari-Wagah zwischen Indien und Pakistan. Obwohl sich die beiden Länder gar nicht gut verstehen, organisieren sie jeden Abend eine Show, um die Fahnen einzuholen und die Grenzen zu schliessen. Wieso, weiss niemand so genau, aber besonders das indische Publikum ist begeistert davon. Ein Besuch in Amritsar lohnt sich nicht nur wegen des goldenen Tempels, sondern auch für Zeremonie an der Grenze. Selten haben wir in Indien so etwas Lustiges wie diese Grenzschliessung gesehen.

Die Show alleine wäre ohne indisches Publikum nur halb so toll. Soldaten laufen in einem extremen Stechschritt hin und her, ballen die Arme und klopfen sich, zum Kampf gegen Pakistan, auf die Brust. Wahnsinn wie hoch sie ihre Beine beim Stechschritt schwingen, wir können nur noch lachen. Zu alldem hat es einen wilden, indischen Animator. Er rennt und hüpft wie ein Wahnsinniger vor dem Publikum hin und her und animiert die Menge zum Toben. Die Sicherheitskräfte müssen das Publikum immer wieder zum Absitzen und Zurückhaltung ermahnen. Sobald sie das einigermassen erreicht haben, hüpft wieder der Animator durch und die Menge tobt erneut. Dazwischen wird indische Bollywood Musik abgespielt und alle springen auf und tanzen wild.

Was du für die Zeremonie mitbringen solltest

Zur Attari-Wagah Grenze musst du deinen Pass mitbringen. Ausländische Personen müssen nicht anstehen, sondern können neben der Menge in der VIP Schlange durchlaufen. Man kann davon halten, was man will, doch für uns fühlt sich das etwas störend an. Grosse Rucksäcke dürfen nicht rein genommen werden und müssen an einem Stand deponiert werden. Lasse besser keine Wertsachen dort, unser Tuk Tuk Fahrer fordert uns auf, alles gut zu kontrollieren.

Bring einen Sonnenschutz mit, es hat nur wenige Plätze im Schatten.

Hotel in Amritsar

Wie schon erwähnt sind die Sikhs unglaublich nette und zuvorkommende Menschen. Da für sie auch die Gastfreundschaft wichtig ist, hat es neben dem goldenen Tempel ein Pilgerheim, in welchem du gratis übernachten kannst. Auch Touristen sind herzlich willkommen, wenn du dich an ihre Regeln hältst. Kein Tabak, kein Alkohol und keinen Sex. Es gibt zwei solche Unterkünfte, das Guru Arjan Dev Niwas und das Guru Ram Das Niwas.

Um die Kultur der Sikhs wirklich kennen zu lernen, empfehlen wir dir in einem Pilgerheim zu übernachten. Eine andere Möglichkeit ist, im goldenen Tempel selbst zu übernachten. Dieser ist 24 Stunden geöffnet und viele Menschen schlafen drinnen.

Wenn du lieber in einem normalen Hotel übernachten möchtest, kannst du dir ein Zimmer auf booking.com* in Amritsar buchen.

Anreise und Transport

Wenn du beim goldenen Tempel übernachtest, kannst du alles zu Fuss erreichen oder allenfalls mit einem Tuk Tuk fahren. Du kannst auf der Strasse den Preis verhandeln oder dir bequem mit der App Ola eines bestellen.

Zwischen dem Zugbahnhof und dem goldenen Tempel fahren kostenlose gelbe Busse.

Wie oben erwähnt kannst du mit einem Sammel-Tuk Tuk zur Wagah Grenze fahren.

Vom ISBT-Busbahnhof aus fahren regelmässig Busse nach New Delhi, Jaipur und andere Orte. Die Fahrt nach Chandigarh dauert etwa 5 Stunden und kostet 230 Rupie (ca. CHF 3/ EUR 2.5), ein klimatisierter Bus kostet 460 Rupie.

Wenn du mit dem Bus nach Dharamsala (McLeod Ganj) reisen möchtest, fährst du zuerst 3 Stunden bis nach Pathankot und steigst dort in einen Bus für 4 Stunden nach McLeod Ganj.

Was hast du im goldenen Tempel erlebt? Und hast du bei der Zeremonie an der Wagah Grenze auch so viel gelacht wie wir?

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